Seit heute: Russland sperrt Telegram
#1
Seit heute wird die Nutzung von Telegram in Russland blockiert. Lokale Medien berichten, dass es aber noch einige Stunden dauern könne bis die Sperrung komplett greift. Vermutlich setzt man DNS-Poisoning ein, dass dauert ein wenig.

Die allgemeine Berichterstattung zu dem Thema wirft aber mehr Fragen auf als sie beantwortet. Geht es nur um die ungesicherten, normalen Chats (die lediglich transportverschlüsselt sind)? Oder geht es auch um die sog. "geheimen Chats", die angeblich nur wenig genutzt werden und Ende-Zu-Ende-verschlüsselt sind (wenn auch mit einem Protokoll dessen Sicherheit von Experten vielfach angezweifelt wird)?
Die Aussage von Telegram liest sich allerdings so, als ginge es nur um die E2E-Schlüssel, weil vermutlich alle anderen Chats sowieso standardmäßig vom FSB mitgeschnitten werden:
"Man könne der Aufforderung nicht nachkommen. Die Software sei so aufgebaut, dass die Schlüssel lokal auf den Geräten erzeugt würden. Es gebe also schlicht keinen Generalschlüssel."

Wie auch immer die Details aussehen: Telegram ist in Russland für die breite Masse derzeit nicht nutzbar (wer kein VPN nutzt oder eigene DNS-Einträge hat, etc.). Ist das eine Chance für Threema? Hat Threema in Russland irgendwelche Kampagnen gefahren um sich als Alternative in Stellung zu bringen? Vielleicht hat ja jemand Kontakte nach Russland und kann dazu etwas sagen; würde mich wirklich interessieren!

Oder hat Threema ebenfalls in Russland Probleme? Die App dürfte einigen Entscheidungsträgern dort ja auch ein Dorn im Auge sein. Ist Threema mittlerweile immun gegen DNS-Poisoning (hatte der Support Ende letzten Jahres angekündigt, nachdem Threema im Iran gesperrt wurde)? Vielleicht kann Julia ja auch etwas dazu sagen.

Unerfreuliche aber spannende Entwicklungen.
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#2
Spannend ist daran eigentlich gar nichts. Das ist einfach nur "pervers". Wenn man sonst keine gescheiten Ideen mehr hat und man sich nicht mehr anders zu helfen weiß, dann wird halt kurzerhand flächendeckend zensiert, gesperrt, blockiert. Bin mal gespannt, wann die ersten "Demokratien" (z. B.: Deutschland) auf dieses Mittel zurückgreifen. Die Pläne dafür liegen sicherlich schon griffbereit in der Schublade.
Shit

Threema wäre übrigens ebenfalls denkbar einfach landesweit blockierbar. Hier könnte man sich die zentrale Verwaltung über die Server in der Schweiz zunutze machen. Um Threema erfolgreich blockieren zu können, müsste man also nur die Verbindung zu den Schweizer Threema-Servern unterbinden.

VPNs und DNS-Anpassungen lassen sich übrigens auch aushebeln und blockieren, also umgehen.
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#3
Mit "spannend" meinte ich eher die möglichen Gegenmaßnahmen. Also wie Betreiber wie z.B. Threema gegen DNS-Poisoning vorgehen und somit zumindest diese eine Möglichkeit der technischen Blockierung umgehen wollen. Bzw. ob dies mittlerweile von Threema umgesetzt wurde.

Dass das staatliche Unterbinden von (vertraulicher) Kommunikation verurteilenswert und pervers ist dürfte außer Frage stehen.
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#4
Ihr denkt aber jetzt nicht wirklich, dass sich Threema hier an dieser Stelle dazu äußert?
IMHO werden die Messenger-Betreiber froh sein, wenn sie nicht in den Fokus von Ermittlern und/oder Kriminellen geraten. (Das wurde mir von einem anderen Messenger-Betreiber zumindest mal so durch die Blume mitgeteilt). Da werden die sich hüten, öffentlich irgendwelche großtrabenden Statements abzugeben...

Absonsten fürchte ich auch: Wenn das alles so weitergeht, sieht es mit relativer Anonymität und Datenschutz schlecht aus. Erstmal viel Sturm im Wasserglas - und eh man sich versieht, erfährt man hintenrum, was alles so passiert ist...
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#5
(16.04.2018., 15:04)Miaz schrieb: Ihr denkt aber jetzt nicht wirklich, dass sich Threema hier an dieser Stelle dazu äußert?

Nö. Denke ich nicht und erwarte ich auch nicht.

(16.04.2018., 15:04)Miaz schrieb: IMHO werden die Messenger-Betreiber froh sein, wenn sie nicht in den Fokus von Ermittlern und/oder Kriminellen geraten.

Tränen lachen
Man muss kein Hochschulstudium absolviert haben, um sich vorstellen zu können, dass speziell «Threema» von Kriminellen und Ermittlern gleichermaßen längst "entdeckt" worden ist. Man denke an die "tollen Reden" des "Terror-Thomas" (ehem. Sicherheits-Abbauminister). Kriminelle werden die vollkommen anonyme Nutzbarkeit sowie die Datensparsamkeit von Threema sehr zu schätzen wissen und Ermittler dürften in diesem Zusammenhang händeringend nach Möglichkeiten suchen, (sprichwörtlich) den Fuß in die Tür zu bekommen. Genau deshalb hat man schließlich den Staatstrojaner erfunden und bringt ihn (von den Betroffenen möglichst unbemerkt) unter die Leute (auf die Smartphones, auf die Tablets, auf die PC´s, auf die Mac´s, ...).
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#6
(17.04.2018., 01:12)BamBam schrieb: Man muss kein Hochschulstudium absolviert haben, um sich vorstellen zu können, dass speziell «Threema» von Kriminellen und Ermittlern gleichermaßen längst "entdeckt" worden ist.

Wer sich das nicht vorstellen kann, zieht sich sicher die Hose mit der Beißzange an. Zwischen "entdeckt worden sein" und "im Fokus stehen" sehe ich schon noch einen Interschied. Du weiß sicher, wie ich das gemeint habe. In dem Zusammenhang hatte ich ja auch mal in den Raum gestellt, ob es sinnvoll ist, sooo groß und bedeutend zu werden ...
Ansonsten gebe ich Dir natürlich Recht.
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#7
(17.04.2018., 06:56)schuschu schrieb: Weil Telegram auch Amazon und Google Server benutzt werden diese auch gleich gesperrt.

Dann würden auch Gegenmassnahmen wie Domain Fronting ins Leere laufen :(
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