Anonymität auf Systemebene – der ultimative Privatsphäreschutz

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  • Dazu eine Frage: Viele Threema-Nutzer haben der Adressbuch-Synchro zugestimmt und/oder verknüpfen ihre Rufnummer (beides hat ja greifbaren praktischen Nutzen). Wird damit – sozusagen auf ausdrückliches eigenes Risiko – die im Blogbeitrag genannte «vertikale Anonymität»¹ untergraben? Oder bleibt sie erhalten, und wenn ja, wie?

    ¹) hab mal die in der Deutschschweiz übliche Anordnung der »Guillemets« stehenlassen (in D und AT andersherum)

  • Ich zitiere mal aus der zweiten Quelle:

    Zitat

    Wenn Sie die Synchronisation einschalten, werden E-Mail-Adressen und Telefonnummern aus dem Adressbuch einwegverschlüsselt («gehasht») und zusätzlich mit TLS gesichert an unsere Server übertragen. Die Server halten diese Hashes nur kurzzeitig im Arbeitsspeicher, um die Liste der übereinstimmenden IDs zu ermitteln, und löschen sie sofort wieder.

    Mein Laienverständnis: Ganz egal, wie verschlüsselt die Übertragung meines Adrssbuchs zu Threema erfolgt, irgendwie muss Threema die Telefonnumern ja auslesen können. Und irgendie muss es ja auf dem Threema-Server eine Liste geben, in welcher die Threema-IDs und die verknüpften Telefonnummern stehen. Anderenfalls könnte ja gar kein Abgleich erfolgen, welcher meiner Kontakte eine verknüpfte Threema-ID hat.

  • Und irgendie muss es ja auf dem Threema-Server eine Liste geben, in welcher die Threema-IDs und die verknüpften Telefonnummern stehen.

    Es gibt eine Liste mit gehashten Telefonnummern und die zugehörige Threema-ID.

    Eine Hashfunktion ist einen kryptographische Funktion die in einer Richtung einfach zu berechnen ist (Telefonnummer => Hash).
    Die umgekehrte Berechnung (Hash => Telefonnummer) ist aber nahezu unmöglich.

    Bei Telefonnummer ist ein BruteForce Angriff möglich, da die Gesamtzahl aller möglichen Telefonnummern beschränkt ist.

    Wird damit ... die im Blogbeitrag genannte «vertikale Anonymität»¹ untergraben?

    Nein.
    Über den Telefonnummernabgleich erhält Threema keine zusätzlichen Informationen über den Nutzer hinter der Threema-ID.

  • Eine Hashfunktion ist einen kryptographische Funktion die in einer Richtung einfach zu berechnen ist (Telefonnummer => Hash).
    Die umgekehrte Berechnung (Hash => Telefonnummer) ist aber nahezu unmöglich.

    Vielleicht noch als Ergänzung:

    Eine Hash-Funktion generiert aus einer Information eine andere, die sehr viel weniger Information enthält. Deshalb kann man daraus nicht einfach wieder die ursprüngliche Information herausbekommen. Mann muss praktisch die originale Information raten, die Hash-Funktion anwenden, und dann schauen, ob das gleiche Ergebnis heraus kommt.

    Sehr vereinfachtes Beispiel:

    Hash-Funktion: Die Quersumme der Ziffern Deiner Telefonnummer

    Telefonnummer ist: 0815/4711

    Hashwert (Quersumme): 0+8+1+5+4+7+1+1 = 27

    An Threema wird nur die 27 übertragen.

    Wenn man jetzt wissen will, welche Telefonnummer zur 27 gehört, muss man nun verschiedene Telefonnummern ausprobieren, und schauen, ob bei einer die Quersumme 27 herauskommt.

    Natürlich können mehrere Telefonnummern die gleiche Quersumme haben (nennt man Kollision). Das ist bei einer kryptographischen Hash-Funktion auch so. Aber der Algorithmus stellt sicher, dass das sehr sehr sehr... unwahrscheinlich ist und die Berechnung sehr lange dauert. Trotzdem kannst Du eben aus dem Hashwert nicht mehr das Original herausbekommen, ohne auszuprobieren. Und weil die Berechnung lange dauert, kann man nicht einfach ganz schnell alle Telefonnummern, die es geben kann ausprobieren. Das würde praktisch viel zu lange dauern.

    UPDATE: Was macht Threema nun mit den Hashwerten?

    Threema wendet die Haschfunktion auf jede Telefonnummer im Telefonbuch an und lädt nur die Hashwerte auf den Server hoch. Der Server schaut nun nach, ob ein anderer User eine Telefonnummer mit einem Hashwert hat, der in der Hashwertliste Deines Telefonbuchs vorkommt. Falls ja, dann nimmt Threema an, dass Du seine Telefonnummer kennst. Wie gesagt, theoretisch könnte diese Annahme falsch sein, weil es auch eine Kollision sein könnte. Aber das ist so unfassbar unwahrscheinlich, dass das praktisch NIE passiert. Eine zufällige Kollision bei einer modernen kryptographischen Hash-Funktion ist so unwahrscheinlich, dass das wiederholte Gewinnen eines Sechsers im Lotto über unvorstellbar lange Zeiträume dagegen als vergleichsweise wahrscheinlich erscheint.

    4 Mal editiert, zuletzt von JonnyDee (3. Juli 2026 um 06:38)