Das ist der Hammer: real,- | Gesichtserkennung im Supermarkt

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  • Mir geht es nur tierisch auf die Nerven, dass direkt auf alles eingedroschen wird, was irgendwelche Nutzerdaten verwendet, völlig egal für welchen Zweck. Aluhut auf und alles dient dem Überwachungsstaat.


    Das ist doch eine ganz normale Reaktion, wenn den treuen Bürgern (zumindest denen, denen ihre Privatsphäre am Herzen liegt) mehr und mehr der Überblick über derartige Aktivitäten verloren geht. Es steht ja wohl außer Frage, dass die Themen "Überwachung" und "Anlasslose Datenspeicherung" für den Einzelnen kaum noch überschaubar sind.


    Der einzelne treue Bürger hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
    a) sich damit abfinden und resignieren
    b) sich dagegen wehren und kämpfen


    Und der einzelne treue Bürger muß sich auch immer wieder die Frage stellen: Wo soll DAS (dieser perfide Wahnsinn) noch hinführen?

  • Zitat von "lgrahl" pid='31359' dateline='1496409135'

    Mir geht es nur tierisch auf die Nerven, dass direkt auf alles eingedroschen wird, was irgendwelche Nutzerdaten verwendet, völlig egal für welchen Zweck. Aluhut auf und alles dient dem Überwachungsstaat. Das ist nur mein Eindruck - kann auch anders sein.


    Mir geht es ehrlich gesagt tierisch auf die Nerven, dass die Digitalisierung immer mehr Bereiche erfasst und zunehmend Algorithmen über unser Leben entscheiden und die allermeisten überhaupt gar keine Ahnung haben wer, wie und wo Entscheidungen trifft, völlig überfordert sind deshalb fatalistisch reagieren und dementsprechend wir keinen Diskurs darüber führen können. Wie schnell Daten missbraucht werden können, die ursprünglich einem anderen bestimmen Zweck dienen sollten lehrt uns die Geschichte oder die aktuelle Politik in einigen Ländern, China treibt es mit seinem Punktesystem auf die Spitze.


    Wir waren und sind in Europa auch deshalb so führend, weil unsere Kultur uns Reflexion und Diskussion beigebracht hat, während diese Kultur in anderen Regionen der Erde nicht greift und sich die Menschen vielem völlig naiv ausliefern. Dann heißt es aus Amerika die Deutschen haben zu viel Angst und sind deshalb nicht innovativ genug.
    Ja bitte, wer hat denn mit die strengsten Umwelt und Verbraucherschutzgesetze und eine der ausgeprägtesten Zivilgesellschaften? Das muss dann wohl an den 'Aluhüten' liegen und ich bin ihnen sehr dankbar dafür!

  • Nochmal zum Artikel: Ob diese Statistik (Personengruppe mit Alter und Geschlecht, wie lange wird auf die Werbung geglotzt) eine Maschine anlegt oder eine reale Person, spielt doch gar keine Rolle. Wohlgemerkt, ich spreche von der Speicherung der Auswertung und nicht von der Speicherung des Bildes! Der Artikel gibt eindeutig an, dass die zugehörigen Bilder lediglich 150ms im Zwischenspeicher gehalten werden. Ich verstehe die Aufregung nicht - auch nicht von den Datenschützern.



    Ich möchte nicht aufgenommen werden, ohne dass ich VORHER meine Zustimmung gebe [...]


    Du erklärst dich als damit einverstanden, sobald du das Schild im Supermarkt gelesen hast. Das ist Hausrecht (IANAL).



    [...] und ich möchte erst recht nicht, dass meine Daten (egal in welcher Form auch immer) an "irgendeine" (dubiose) Firma weiter gegeben UND dann auch noch ausgewertet wird.


    Und wenn die Firma nicht dubios wäre? Wenn diese die Daten nur kurzzeitig verwendet und dann verwirft? Du vertraust Threema doch auch deine Nutzerdaten an.
    (Andere Frage: Warum ist diese Firma dubios aber der Supermarkt z.B. nicht?)



    [...] Heute nimmt sich jeder Pimpel-Supermarkt raus, mich aufzunehmen, auszuwerten und zu manipulieren. Von offiziellem Stellen ganz zu schweigen. [...]


    Wie gesagt, Status Quo. Der einzige Unterschied ist, dass die Daten jetzt nicht nur zum Überführen von Ladendieben über einen wesentlich längeren Zeitraum gespeichert werden, sondern dessen Inhalt für andere Zwecke ausgewertet wird. Anonymisiert oder nicht persistent - wie im Artikel beschrieben.



    Noch dazu kommt, dass ich mal gelesen habe, dass 90% aller weltweit verfügbaren Daten in den letzten 2 Jahren erstellt wurden. Ich frage mich, wo das noch hingehen soll...


    Ja... vor dem maschinellen Buchdruck gab es auch wesentlich weniger Bücher. So what?



    Das ist doch eine ganz normale Reaktion, wenn den treuen Bürgern (zumindest denen, denen ihre Privatsphäre am Herzen liegt) mehr und mehr der Überblick über derartige Aktivitäten verloren geht. Es steht ja wohl außer Frage, dass die Themen "Überwachung" und "Anlasslose Datenspeicherung" für den Einzelnen kaum noch überschaubar sind. [...]


    Was definiert denn einen treuen Bürger? Gibt es auch untreue Bürger? Und zur eigentlichen Antwort: Sorry, aber es geht gar nicht darum, Daten dauerhaft zu speichern.



    Wie schnell Daten missbraucht werden können, die ursprünglich einem anderen bestimmen Zweck dienen sollten lehrt uns die Geschichte oder die aktuelle Politik in einigen Ländern, China treibt es mit seinem Punktesystem auf die Spitze.


    Jaha, aber können wir bitte einmal annehmen, dass es Institutionen auf der Welt gibt, die Daten sicher von A nach B transportieren können, ohne dass sich jemand dazwischenhängt? Die ihre Versprechen einhalten und die Daten tatsächlich in dem angegebenen Zeitfenster wieder löschen und die Daten nicht für andere Zwecke missbrauchen? Wie ihr das zum Beispiel auch von Threema erwartet? Weil, wenn nicht, dann Doppelmoral und so.


  • Du erklärst dich als damit einverstanden, sobald du das Schild im Supermarkt gelesen hast. Das ist Hausrecht (IANAL).


    Wie ich oben bereits geschrieben habe, impliziert für mich der Satz "Dieser Laden wird Videoüberwacht!", dass das zur Abwehr potenzieller Ladendiebe oder der Überführung selbiger dient und nicht, dass ich aufgenommen und ausgewertet werde.



    Und wenn die Firma nicht dubios wäre? Wenn diese die Daten nur kurzzeitig verwendet und dann verwirft?


    Ich habe das "dubios" deswegen in Klammern gesetzt, weil ich diese Firma nicht kenne und auch wenn die Firma absolut seriös wäre, möchte ich nicht ungefragt aufgenommen und ausgwertet werden, auch nicht 1ms, von NIEMANDEM!



    Du vertraust Threema doch auch deine Nutzerdaten an.


    Ich denke, man kann einen Lebensmittelladen (wo ich Produkte für's tägliche Leben kaufe) nicht mit einer IT-Firma vergleichen. (Auf Threema kann ich notfalls auch verzichten ;) ) Bei Threema kann ICH frei entscheiden ob ich meine Telefonnummer / Email angebe oder nicht! ;) Der Vergleich hinkt nicht nur, sondern der rutscht grad ganz gewaltig den Abgrund runter! ;)



    (Andere Frage: Warum ist diese Firma dubios aber der Supermarkt z.B. nicht?)


    Für mich ist damit real absolut dubios und unseriös geworden. Hab ich in der Vergangenheit dort eigentlich immer gerne eingekauft, ist das ab sofort für mich ein absolutes NO GO.
    Jede Firma die ungefragt Daten erhebt ist für mich absolut dubios und unseriös, egal ob das ein Supermarkt oder sonst eine andere Firma ist.



    Ich sehe aber noch eine ganz andere Problematik: real fängt jetzt damit an, andere Firmen denken ebenso darüber nach. Langfristig bedeutet dass, das man nirgends mehr hingehen kann ohne erfasst zu werden, weil man immer irgendwie irgendwo irgendwann erfasst und ausgewertet wird und dann lass mal den nächsten Terroranschlag kommen und du kannst darauf warten, dass die Politiker danach schreien: "Wir wollen Zugriff auf die Daten!". (sinngemäß gesagt) Beispiel --> Autobahnmaut (KFZ-Kennzeichen-Auswertung, Gesichtserfassung)


  • Mir geht es ehrlich gesagt tierisch auf die Nerven, dass […] wir keinen Diskurs darüber führen können.


    Na dann ist dieser Thread ja für dich. Ist doch gut, dass wir hier mal einen Diskurs führen, auch wenn das hier natürlich eine ziemliche Filterblase ist…
    Dementsprechend finde ich es gut, dass hier auch mal ein paar Gegenmeinungen zu hören sind. :daumen:
    So viel zum Allgemeinen…



    Mir geht es nur tierisch auf die Nerven, dass direkt auf alles eingedroschen wird, was irgendwelche Nutzerdaten verwendet, völlig egal für welchen Zweck. Aluhut auf und alles dient dem Überwachungsstaat. Das ist nur mein Eindruck - kann auch anders sein.


    Also erstens habe ich noch keinen Post vor deinem zu dem Thema mit dem Wort "Überwachungsstaat" gelesen.
    Zweitens geht es hier, sage ich (und ich hoffe auch ein paar andere in diesem Thread) nicht um staatliche Überwachung. Ich meine, hey, das ist Rewe. :exfreude:


    Um einen besseren Vergleich zu bringen: Benutzt du Trackingblocker im Browser? Warum?
    Wenn ja, würdest du die auch benutzen, um eine Nutzerauswertung (Eye-Tracking oder so) via Webcam zu verhindern, würde dies so eingesetzt werden?


    Genau das gleiche wäre es doch in dem Fall. Nur kannst du nicht so einfach einen Blocker verwenden. Hier passiert eine Sammlung und Auswertung deiner Daten (schnell, okay, aber naja…) und du musst wissen, ob du das willst. Und es ist eben auch keine staatliche Überwachung, sondern eine private… Wenn du aber Trackingblocker nutzt, dann scheint dir diese Überwachung ja auch nicht ganz egal zu sein.



    Ja, und? In welcher Branche ist das denn nicht so? Wenn wir die Überwachung automatisieren können, warum nicht auch die Überwachung der Überwacher?


    Weil Kontrolle von Überwachungen Menschen benötigt – im Gegensatz zu Kameras und Algorithmen. Versuche den Satz mal bitte beim BND oder so anzuwenden und dann erkläre mir, wie das automatisch kontrolliert werden soll.



    Es gibt durchaus spannende und sinnvolle Ideen in der Mustererkennung/maschinelles Lernen, die mit personenbezogenen Daten arbeiten und Menschen in ihrem Alltag unterstützen.


    Ja, sicher. Sowas fände ich auch immer spannend (muss man im Einzelfall betrachten), aber das hier ist eindeutig eine Technologie die mir als Mensch, als Rewe-Kunden nicht hilft. Die hilft den Werbetreibenden.


    ZU dem Schild:


    Du erklärst dich als damit einverstanden, sobald du das Schild im Supermarkt gelesen hast. Das ist Hausrecht (IANAL).


    Ganz erntshaft, selbst wenn man die Technologie dahinter gut findet. Der Hinweis: "Dieser Laden wird videoüberwacht" ist doch wohl daneben. Das steht nahezu überall.
    "Dieser Lade wird videoüberwacht und die Zeilgruppen-Wirksamkeit der Werbemittel kameratechnisch geprüft." wäre da schon das Minimum, bzw. zumindest korrekt.



    Jaha, aber können wir bitte einmal annehmen, dass es Institutionen auf der Welt gibt, die Daten sicher von A nach B transportieren können, ohne dass sich jemand dazwischenhängt?


    Stopp… Du solltest ja mal am Besten wissen, das hinter "Sicherheit" hier viel mehr steckt. Was ist denn nun sicher? HTTPS, Cipher, Key Pinning, Forward Secrecy, blablabla…
    Diese Institutionen gibt es sicherlich, nur mit unterschiedlicher Auslegung, was sicher ist. Und Werbefirmen (echion im Artikel macht Raum/Tongestaltung und anderes auch zur "digitalen Kommunikation" – und das nicht von Kunde zu Kunde :D ) würde ich da nicht unbedingt das vollkommen sicher zutrauen.



    Die ihre Versprechen einhalten und die Daten tatsächlich in dem angegebenen Zeitfenster wieder löschen und die Daten nicht für andere Zwecke missbrauchen?


    Ja die gibt es vlt.



    Wie ihr das zum Beispiel auch von Threema erwartet? Weil, wenn nicht, dann Doppelmoral und so.


    Aber hallo, den Vergleich nimmst du bitte zurück. Erstens habe ich mich freiwillig zur Nutzung von Threema entschieden. Im Supermarkt ist das eher so naja, … Wenn es noch bei MediaSaturn eingeführt wird, in welchen Laden gehst du dann noch? (Wenn Electronics oder so nicht in der Nähe ist.) Richtig freiwillig wäre das hier nur, wenn ich als Kunde der Auswertung meiner Daten widersprechen könnte. Nur dann müssten sie entweder mich als Kunden erkennen (was ja dem Datenschutz nicht zuträglich wäre) oder ich irgendein Zeichen tragen, was erkannt werden müsste.


    Zweitens, weiß ich von Threema viel mehr (u.a. zu der Transportverschlüsselung, siehe oben) und vertraue der Firma dementsprechend, weil ich mich mit einer informierten Entscheidung dazu, naja, entschieden habe.


    Und drittens, und vielleicht am wichtigsten, vergleichst du bitte nicht ernsthaft eine Werbefirma mit einem Messaging-Anbieter. Die Werbefirma hat von Natur aus ein großes Interesse an Datenauswertung. Threema kann mir, wenn das so passt, ausreichend logisch darlegen, warum es dieses Interesse nicht hat bzw. nicht braucht.


    Der Vergleich ist etwa so wie: Na wenn ihr von Threema eine sichere Datenkommunikation erwartet, warum erwartet ihr das nicht von WhatsApp? Die verschlüsselst doch auch e2e… (Gleiches kann man auch auf die Kontakte anwenden.) Und ich glaube dieses Thema brauchen wir hier nicht noch einmal anzuheizen.


    ----


    Alles in allem fehlt mir eigentlich noch eine wichtige Info, die ich in keinen Artikel genau sehen konnte: Werden die Kamerabilder alle live an echion übertragen und erst da ausgewertet (innerhalb von 150ms) – das wäre so das "Cloud-Computing-Prinzip" oder werden sie schon auf der Kamera ausgewertet und nur die Statistiken an Echion gesendet? (Das wäre ein datensparsames Prinzip) Das ist ein fundamentaler Unterschied, ob meine Kamerabilder über evt. sichere oder auch nicht so sichere Verbindungen durch Netz schwirren (siehe oben) oder nur die anonymen Statistiken. Denn die Bilder/Kameraaufzeichnung ist nicht anonym. Das werden sie erst durch die Umwandlung in "Mann, 45 Jahre, …".

  • Was definiert denn einen treuen Bürger?


    Treue Bürger sind die, die ALLES treu und brav über sich ergehen lassen.


    Und zur eigentlichen Antwort: Sorry, aber es geht gar nicht darum, Daten dauerhaft zu speichern.


    Und wer möchte dafür die Hand ins Feuer legen? Warum soll sich eine Supermarktkette oder deren Partner an Versprechungen und geltendes Recht halten, wenn es ganz offensichtlich und nachweislich nicht mal die Bundesregierung tut?


    Und dieses Zitat ist nicht von mir (siehe Anhang)!
    [hr]


  • Alles in allem fehlt mir eigentlich noch eine wichtige Info, die ich in keinen Artikel genau sehen konnte: Werden die Kamerabilder alle live an echion übertragen und erst da ausgewertet (innerhalb von 150ms) – das wäre so das "Cloud-Computing-Prinzip" oder werden sie schon auf der Kamera ausgewertet und nur die Statistiken an Echion gesendet?


    In dem Bericht steht u.a. folgendes:

    Zitat


    Das Unternehmen nutzt nach eigener Aussage die entstandenen Daten nicht, sondern übermittelt sie an den Betreiber Echion.


    Ich interpretiere das so, dass die Daten direkt an die Firma gesendet werden. Jetzt bleibt noch die Frage offen, wie die Daten übertragen werden.

  • Moin.
    Heiße Diskussion hier - und das ist gut so. Ich denke mal, alle die hier sind, sind bzgl. Datenschutz sensibilisiert.
    Mittlerweile hab ich von vielen Leuten gehört: "Ist mir egal".
    Und das gibt mir zu denken...

    __________________________
    Gruß Miaz
    (Samsung Galaxy S7 / Sony Xperia Z1C / Threema seit 08-2014)

    Einmal editiert, zuletzt von Miaz ()

  • Ganz wichtiger Punkt den rugk genannt hat: was nützt MIR die Technologie?


    Ich möchte doch selbst noch frei entscheiden können was ich für mein Leben brauche und demnach die besten Möglichkeiten mir ausmalen, anstatt das eine mich manipulierende Software entscheiden zu lassen, die von starken Marken mit viel Geld für ihre Gewinnsteigerung geschrieben wird.


    Warum sollte ich sowas überhaupt zulassen? Sorge ich damit nicht dafür, dass der Markt zunehmend verschwindet und nur noch sehr wenige Weltkonzerne überleben, die den Wettbewerb und die Vielfalt zerstören?!


    Leider werden viele sogenannte technologischen Fortschritte gern als Nutzen für die Allgemeinheit verkauft, letztlich nützen sie in allererster Linie dem Verkäufer.


  • Ich denke, man kann einen Lebensmittelladen (wo ich Produkte für's tägliche Leben kaufe) nicht mit einer IT-Firma vergleichen. [...] Bei Threema kann ICH frei entscheiden ob ich meine Telefonnummer / Email angebe oder nicht! ;)


    Ja, der Vergleich ist nicht ganz einfach. Ich vergleiche hier IT-Firma X, die Kameradaten auswertet, mit IT-Firma Y, die Daten (in ihrer App) transferiert. Sicher, der Sachverhalt, wie diese Daten ermittelt werden, ist ein anderer. Die Threema-App kann mit den Berechtigungen die sie hat tun und lassen was sie will. In beiden Fällen liegen also irgendwelche persönlichen Daten vor - auf deinem Smartphone vermutlich sogar noch wesentlich wertvollere Daten. Der Knackpunkt ist, dass du Threema in dem Punkt vertraust (bezüglich deren Versprechen), aber der Firma, die diese Kameradaten auswertet (auch bezüglich deren Versprechen) nicht.



    [...] Jede Firma die ungefragt Daten erhebt ist für mich absolut dubios und unseriös, egal ob das ein Supermarkt oder sonst eine andere Firma ist. [...] und dann lass mal den nächsten Terroranschlag kommen und du kannst darauf warten, dass die Politiker danach schreien: "Wir wollen Zugriff auf die Daten!" [...]


    Das ist der Punkt: Ich glaube, du diskutierst über den Aspekt, dass du überhaupt aufgenommen wirst während es mir um den Aspekt geht, wo das Problem liegt, wenn diese Daten nun zusätzlich noch analysiert und die daraus resultierenden Daten anonymisiert (hier muss man hellhörig werden - anonymisieren ist ein heikles Thema) gespeichert werden. Die Kameras gibt es sowieso schon seit etlichen Jahren, insofern ist das für mich in dieser Diskussion uninteressant (was nicht heißt, dass ich es befürworte).



    Um einen besseren Vergleich zu bringen: Benutzt du Trackingblocker im Browser? Warum?
    Wenn ja, würdest du die auch benutzen, um eine Nutzerauswertung (Eye-Tracking oder so) via Webcam zu verhindern, würde dies so eingesetzt werden?


    Finde ich sehr schwer zu vergleichen, da es sich ja a) um mein eigenes Gerät handelt und b) mein Notebook sich in der Regel in einem privaten, besonders schützenswerten Umfeld befindet.



    Genau das gleiche wäre es doch in dem Fall. Nur kannst du nicht so einfach einen Blocker verwenden. Hier passiert eine Sammlung und Auswertung deiner Daten (schnell, okay, aber naja…) und du musst wissen, ob du das willst. [...]


    Die Daten liegen sowieso schon vor. Jetzt werden aus ihnen nur noch andere Resultate gezogen. Würde Twitch beispielsweise anfangen, Daten von Streamern zu erheben (wie lange wird in die Kamera geschaut, wie aufgeregt ist die Person - z.B. durch Ermittlung des Pulses), dann wäre das für mich in Ordnung, solange es anonymisiert wird. Streamer befinden sich in einem virtuellen, öffentlichen Raum.



    [...] Und Werbefirmen (echion im Artikel macht Raum/Tongestaltung und anderes auch zur "digitalen Kommunikation" – und das nicht von Kunde zu Kunde :D ) würde ich da nicht unbedingt das vollkommen sicher zutrauen.


    Ach, komm, mittlerweile kann sich keine Firma einen derartigen Imageschaden leisten, sodass entsprechend Leute eingekauft werden, die Ahnung haben.



    Der Vergleich ist etwa so wie: Na wenn ihr von Threema eine sichere Datenkommunikation erwartet, warum erwartet ihr das nicht von WhatsApp? Die verschlüsselst doch auch e2e… (Gleiches kann man auch auf die Kontakte anwenden.) Und ich glaube dieses Thema brauchen wir hier nicht noch einmal anzuheizen.


    Sicher ist der Vergleich provokativ. Ich sage ja nicht, dass du jeder Firma explizit trauen sollst, sondern dass es eventuell auch nicht nur schwarze Schafe gibt. Es ist noch gar nicht bekannt, ob diese Firma ihre Versprechen einhält, aber es wird direkt vom Daten-GAU ausgegangen. Diese grundsätzliche Haltung finde ich schädlich, wenn auch teilweise nachvollziehbar.
    Auf Messaging übertragen bedeutet das, dass Threema gar nicht sicher sein kann, weil sie ihre Versprechen nicht einhalten werden. Bei WhatsApp ist zusätzliches Wissen verfügbar: Wir wissen, dass das eigene Telefonbuch durch deren Server geblasen wird.

  • Zitat von "lgrahl" pid='31382' dateline='1496489685'

    Es ist noch gar nicht bekannt, ob diese Firma ihre Versprechen einhält, aber es wird direkt vom Daten-GAU ausgegangen. Diese grundsätzliche Haltung finde ich schädlich, wenn auch teilweise nachvollziehbar.


    Das ist doch der Unterschied zwischen Vorsorge und Nachsorge Prinzip. In der EU muss garantiert werden, dass Produkte vorher die vorgegebenen Bedingungen einhalten (bspw. Auswirkungen auf Gesundheit ausgeschlossen werden), während in den USA ein Produkt auf den Markt geworfen werden darf, dessen Auswirkungen später begrenzt werden sollen. Also es muss erst Schaden entstehen, bevor eingegriffen wird.
    Finde das Prinzip der Nachsorge schädlich und teilweise ist es sogar tödlich!
    Die Systeme müssen bereits vorher so ausgelegt werden, dass kein Missbrauch möglich ist, oder viele Kontrollinstanzen dazwischen sitzen. Da muss man sicherlich auch wieder grundsätzlich fragen, ob Videoüberwachung überhaupt notwendig ist, aber zumindest sollte das Gerät technisch nicht in der Lage sein eine Analyse zu betreiben - reine Aufnahme und Löschen innerhalb von 48 Stunden. Dann würden wir der Vorsorge näher sein, alles andere öffnet Missbrauch Tür und Tor - und sind wir mal nicht naiv - wenn etwas Geld bringt wird meistens gemacht was gemacht werden kann, die Ethik steht weit hinten an. Das ist die Erfahrung, insofern sind die Ängste m.M. nach durchaus begründet und angebracht.

  • Leider werden viele sogenannte technologischen Fortschritte gern als Nutzen für die Allgemeinheit verkauft, letztlich nützen sie in allererster Linie dem Verkäufer.


    Das nennt man Marktwirtschaft. Da steht das wirtschaftliche und nicht zuletzt finanzielle Interesse immer automatisch im Vordergrund.


    Aber diese Diskusssion bewegt sich inzwischen in eine völlig falsche Richtung. Von einem "Daten-GAU" war hier nie die Rede, lgrahl!
    Vielmehr das ungefragte Erfassen und verarbeiten biometrischer Daten im Kassenbereich war und ist hier Gegenstand der Diskussion.


    EDIT:
    Dieses fragwürdige Marketing-Instrument hat man ganz sicher nicht zufällig im Kassenbereich positioniert. In diesem bekanntlich räumlich sehr engen Bereich hat der Supermarktkunde praktisch gar keine Möglichkeit sich dieser Daten-Erfassung zu entziehen. Und NEIN, der lapidare Hinweis "Dieser Markt wird videoüberwacht" läßt nicht automatisch darauf schließen, dass ich nach meinem Einkauf im Kassenbereich biometrisch erfasst werde und diese Daten dann, wie auch immer, irgendwie, irgendwo und von irgendwen weiterverarbeitet werden.
    Der Haken: Bezahle ich meinen Einkauf mit EC- oder Kreditkarte, wäre es ein Kinderspiel den Umfang meines gesamten Einkaufes, plus biometrisch erfasste Daten meiner Person, plus meine EC- oder Kreditkartendaten, plus Zeitstempel zu kombinieren.

  • Passt nicht genau zum Thema, ich find es aber gut ...

    Code
    1. http://m.spiegel.de/kultur/gesellschaft/kolumne-von-sibylle-berg-zu-ueberwachung-im-internet-ein-rudel-dicker-maenner-a-1150029.html


    Passt gut. Danke Miaz!


    Hier noch der Shortlink zur verlinkten Webseite: http://kurzelinks.de/783x

    Code
    1. http://spiegel.de/kultur/gesellschaft/kolumne-von-sibylle-berg-zu-ueberwachung-im-internet-ein-rudel-dicker-maenner-a-1150029.html
  • Zitat von "3ma" pid='31385' dateline='1496495763'

    Das nennt man Marktwirtschaft. Da steht das wirtschaftliche und nicht zuletzt finanzielle Interesse immer automatisch im Vordergrund.


    Dazu kommt allerdings ein relativ neues Phänomen namens Plattformkapitalismus, bei dem der größte immer gewinnt.
    Erinnern wir uns zurück an Lokalisten, StudiVZ, an Lycos, Yahoo, an MSN, ICQ und Co. Es gab eine Fülle an Diensten und heute heute sind genau zwei (drei mit Amazon) übrig geblieben. Dadurch dass die größten Plattformen heute sowohl über ausgeprägte Algorithmen verfügen, die wie feinste Sensoren kleinste Veränderungen erspüren, als auch über unvorstellbar viel Geld, können sie schnell eine Funktion ergänzen oder dazu kaufen, um so ein Abwandern zu verhindern.
    Das ist mittlerweile alles andere als ein Markt und nur noch schädlich für Wirtschaft und Gesellschaft - aber ich fürchte das interessiert keinen, solange free WiFi für 'free Google und Facebook' zur Verfügung steht. Prost.

  • ..Ich habe das "dubios" deswegen in Klammern gesetzt, weil ich diese Firma nicht kenne und auch wenn die Firma absolut seriös wäre, möchte ich nicht ungefragt aufgenommen und ausgwertet werden, auch nicht 1ms, von NIEMANDEM!...


    Dann wirst Du wohl kaum noch am öffentlichen Leben teilnehmen können.


    Keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, den Strassenverkehr meiden, Touristenmengen weiträumig meiden, keine Fussgängerzonen, keine Tankstelle, keine anderen Geschäft, etc. etc.


    Irgendwo ist immer eine Kamera auf Dich gerichtet und Du hast keinen Einfluss auf die damit geschossenen Bilder.

  • Zitat von "threemat" pid='31423' dateline='1496662727'

    ... Keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, den Strassenverkehr meiden, Touristenmengen weiträumig meiden, keine Fussgängerzonen...


    Zum Glück gibt es ja noch öffentliche Unternehmen, bzw. öffentlich kontrollierte Unternehmen. Für die Überwachung des öffentlichen Raumes sind bisher ja zum Glück noch kaum private Unternehmen zuständig und da kann man bisher noch überwiegend davon ausgehen, dass es keinen Missbrauch gibt.
    Gehe ich in ein Kaufhaus, dann sieht das natürlich anders aus, aber das bleibt ja noch mir überlassen.

  • Keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, ..., keine Tankstelle, ..., etc. etc.


    "Tankstelle" ist ein schönes Beispiel. Da hat man sich über die Jahre inzwischen an die Video-Überwachung gewöhnt, die dort aber tatsächlich zweckgebunden und ausschließlich dem Diebstahlschutz dienen dürfte. Wer schon mal in den USA war, kennt das vielleicht anders. Dort zahlt man per Kreditkarte direkt an der Zapfsäule oder sie bleibt gesperrt und man "bittet" damit den Kunden zur (Vor)Kasse. Habe ich meine 10,- bis 20,- US$ beim Personal an der Kasse hinterlegt, darf ich tanken. In Luxemburg haben die Ausfahrten der Tankstellen, zumindest die in unmittelbarer Autobahnnähe, Schranken. So kann man's natürlich auch machen.


    Irgendwo ist immer eine Kamera auf Dich gerichtet und Du hast keinen Einfluss auf die damit geschossenen Bilder.


    Das ist absolut richtig. Die Video-Überwachung wird in Zukunft, da muß man - glaube ich - kein Prophet sein, noch deutlich zulegen. Man sollte (und darf) dabei halt nicht vergessen, dass es eben auch verschiedene "Qualitäten" der Überwachung gibt. Die über einen Werbemonitor realisierte biometrische Kunden-Erfassung und -Verarbeitung (in welcher Form und in welchem Umfang auch immer) im engen Kassenbereich einer Supermarktkette ist eine ganz andere "Qualität der Überwachung", da sind wir uns - denke ich - weitgehend einig.

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